Sonntag, Mai 19, 2024
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Prix Meurice an Saâdane Afif nach Berlin vergeben

Franka Holtmann hatte eine Idee. Die gebürtige Düsseldorferin leitet als Generaldirektorin das Le Meurice an der Rue de Rivoli in Paris. Gleich gegenüber den jardin des Tuileries zwischen dem Platz de la Concorde und dem Louvre im ersten Bezirk gelegen positioniert sich das historische Haus aus dem Jahr 1835 als zuglich modernstes der offiziellen Pariser Palasthotels.

Seit seiner Eröffnung war und ist das Haus Fluchtpunkt und Habitat für Künstler aus aller Welt. Salvatore Dali hat hier gleich jährlich mindestens sechs Wochen am Stück gewohnt (in der bel etage), die Einrichung im Erdgeschoss mitsamt dem Restaurant Le Dali ist heute bewusst surrealitisch gehalten und was liegt da näher, als einen internationalen Preis für zeitgenössiche Kunst auszuloben? Zum achten mal wurde jüngst der mit 20.000 Euros dotierte und durch Holtmann initiierte „Prix Meurice pour l’art contemporain“ vergeben und erstmalig ging der Preis in die Bundesrepublik.

Mit Saâdane Afif und der Galerie Mehdi Chouakri in Berlin-Mitte wurde ein französischer Künstler geehrt, der Berlin als seinen Wohn-und Schaffensmittelpunkt wählte. In Kooperation mit dem Naturkundemuseum wurde sein Performance und Video Projekt „Das Ende der Welt“ mit dem ersten Preis prämiert.

Prix_Meurice_2015__IMG_9601____Saywho_Cedric_Canezzaklein.jpgAls Hotel geht das Meurice einen Weg, der durch seine 180 jährige Geschichte vorgezeichnet ist. Honoré de Balzac, Pablo Picasso, Guillaume Apollinaire, Jean Cocteau, Ernest Hemingway, Andy Warhol, Liza Minelli, Anne-Sophie Mutter und viele internationale Künstler mehr verkehrten regelmässig hier. Und eben Dali. Es gibt Orte, deren historisches Erbe bis in unsere Zeit Werte vermitteln, an denen der Welt auch heute noch gelegen ist. Das Meurice gehört sicher hierzu. Durch alle Epochen seit seiner Eröffnung hat das Haus Wege gesucht, als Hotel aktuelle Kunstgeschichte erlebbar zu machen.Der Prix Meurice ist hier das jüngste Beispiel. Die acht Finalisten des diesjährigen Preises sind aktuell mit ihren Exponaten im Erdgeschoss als öffentlich zugängliche Galerie ausgestellt. Der Eintritt vor Ort ist zwichen 12h und 18h möglich und gratis.

Prix_Meurice_2015__IMG_9604____Saywho_Cedric_Canezzaklein.jpgEin Blick auf die Preisträger der ersten acht Jahre zeigt den grossen Radius des dem Preis zugrunde liegenden Kunstverständnisses. Malerei, plastische Kunst, Fotografie, Installation, Video oder Film wurden bislang mit ersten Preisen bedacht.

Der diesjährige Gewinner, Saâdane Afif, wird mit „Das Ende der Welt“ live noch in Mexico zu erleben sein. Es ist ein Filmprojekt, das als Video eine musikalische Situation mit Chor im Sinne eines klassischen Konzertsettings als Panikmoment im Augenblick des unmittelbar bevorstehenden Weltuntergangs zum Thema hat. Der Fokus liegt hier aber nicht nur auf dem akkustischen Moment sondern auf dem emotionalen Ausdruck eines jeden Solisten durch dessen Nahaufnahme. Obwohl jeder Chorist Teil eines singenden Kollektiv ist und dessen Ganzes betont, sind doch die Emotionen eines jeden Einzelnen im letzten Moment seines Seins hoch individuell.

Der Prix Meurice für zeitgenössische Kunst hat sich über die Jahre als feste Grösse im Kunstleben Frankreichs etabliert und findet jährlich einige Wochen vor der FIAC als grösster moderner Kunstmesse des Landes statt. Wer die Preisträger der ersten acht Jahre in Ruhe studiert wird feststellen, dass sich die Jury des Prix Meurice unter Holtmanns Leitung einem zunehmend avantgardistischen Kunstverständnis einer „littérature engagée“ und weniger der „l’art pour l’art“ allein sich verpflichtet fühlt. Der Künstler mit seinem Kunstwerk steht nicht nur für sich selbst, sondern er transportiert eine Aussage als Botschaft gegenüber der Zeit und der Welt, in der er lebt. Für die Zukunft muss gelten: bitte mehr davon!

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