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La Mamounia - Lebendiger kann eine Legende nicht sein

Autor: Text: Dr. Frank Sistenich, Fotos: Agentur, TRAVELLERstyle international - Afrika

Vor wenigen Jahren wiedereröffnet, führt das La Mamounia heute die Riege der besten Hotels des ganzen Kontinents an. Marrakesch behauptet mit dem Juwel seine Vormachtstellung als eine der beliebtesten Jet Set Destinationen

Im Glauben der Marokkaner ist das Paradies nicht etwa der Himmel, sondern ein Garten. Ein Leben im Garten und in Einklang mit der Natur ist der paradiesische Zustand, den die Menschen erwarten. Eine ähnliche Vorstellung mag in den frühen 20er Jahren die Architekten der Anlage direkt am inneren Rand der alten Stadtmauer bewogen haben, La Mamounia zu entwerfen. Großzügigkeit und die Antizipation eines Paradies scheinen Leitmaximen gewesen zu ein, eines der schönsten und bis heute berühmtesten Hotels der Welt zu entwerfen. Es scheint ihnen rundherum geglückt. Es ist, als ob Bacchus auf seinen fröhlichen Festen hier seine Ariadne für die Ewigkeit gefunden hätte und nicht bereits etwa in der Antike und anderswo.

21klein_2.jpgDoch wie für viele Hotels ersten Ranges stand nach fast hundert Jahren Präsenz auch das La Mamounia vor der Frage, wie die glorreichen Tage längst vergangener Zeiten in die Gegenwart herübergerettet werden können. Die Frage ist nur auf die erste Sicht eine rhetorische, zu sehr ist die moderne Konkurrenz auf den Versen im Kampf um die Gunst der Touristen. Steht als die mit der Zeit unvermeidbare Frage der Renovierung im Raum, muss behutsam überlegt werden, wie die historische Substanz der Geschichte gerettet werden und dem Gast zugleich das volle Ausmaß der Annehmlichkeiten des modernen 21. Jahrhunderts geboten werden kann. Fragen, die z.B. aktuell auch da Ritz oder das Crillon in Paris mehr betreffen, als es ihnen lieb sein mag. Das La Mamounia ist ebenfalls eine solche Ikone, dessen Eigentümer vor wenigen Jahren eine ähnliche Entscheidung zu treffen hatten. Weit über drei Jahre verabschiedete sich das Haus von der Agenda des internationalen Jet Sets, um im September 2009 glanzvoll seine renovierten Tore der Welt wieder zu öffnen.

67klein.jpgVon Winston Churchill (der in den Kriegsjahren zum Teil im La Mamounia wohnte und im Garten eine Aquarelle malte)l als „Paris der Sahara“ beschrieben – ist Marrakech die neue  Trenddestination der internationalen High-Society. Angelina Jolie und Brad Pitt lieben  die Atmosphäre der quirligen Souks, auch Catherine Zeta-Jones und Michael Douglas schwelgen immer wieder in diesem berauschenden Mix aus Farben, Düften und Klängen. Marrakeschs „Riads“ – orientalisch verspielte Stadthäuschen mit verträumten  Innenhöfen – sind zum Synonym für authentische Ästhetik geworden. Modemacher,  Musiker, Filmstars und Kunstschaffende schätzen dieses Ambiente für Vernissagen und Happenings, rauschende Partys oder relaxte Tage in der Aura einer Fata-Morgana gleichen Oase vor dem überwältigenden Panorama des Hohen Atlas.

Von Doris Day bis Sharon Stone

62klein.jpgDie Geschichte des La Mamounia reicht bis ins18. Jahrhundert zurück und beginnt wie ein Märchen. Auf der Suche nach einem passenden Hochzeitsgeschenk für seine Söhne erlag der damalige Sultan Sidi Mohammed Ben Abdellah dem Charme eines besonderen Ortes: Ein prächtiger Garten außerhalb der befestigten Altstadt „Kasbah“, dennoch geschützt durch zinngekrönte Mauern, vor der Kulisse der schneebedeckten Gipfel des Atlasgebirges. Der drei Hektar große Park wurde das Geschenk an Sohn Moulay Mamoun und wie sein Name erahnen lässt, später untrennbarer Teil des Hotels La Mamounia. Um die opulenten Gartenpartys des Prinzen Mamoun ranken sich auch heute noch Legenden. Mit schönen Frauen, virtuosen Musikern und reich gedeckten Buffets in der Szenerie des großen Gartens mit seiner exotischen und üppigen Pflanzenwelt lockte der Sohn des Sultans schon damals
herausragende Persönlichkeiten in sein Reich.

Eigene Möbel und Art Déco mit einer Prise Morgenland

45klein_1.jpgIm Jahr 1923 wurde auf diesem Areal das La Mamounia eröffnet. Virtuos verband es die  traditionelle, verspielte Architektur Marokkos mit der nüchternen Sachlichkeit des Art- Déco-Stils. Bis zum Ende der 30er Jahre verfügte das Hotel gerade einmal über 50 Zimmer, war aber schon zu jener Zeit Treffpunkt eines internationalen Gästeklientels. Wer damals etwas auf sich hielt, kam nicht nur mit Frack und Zylinder, Juwelen und Abendrobe zum allabendlichen Dinner, sondern brachte vor allem seine eigenen Möbel aus Europa und Übersee mit ins Hotel – und genoss exotisches Flair in heimeligem Ambiente. 1946 wurde das Hotel schließlich erweitert und in den Jahren 1950, 1953 und 1986 renoviert. Trotz der vielen Umbauarbeiten fügen sich die durch eine einzigartige Designhandschrift verbundenen Elemente wie selbstverständlich zu einem Gesamtkunstwerk zusammen.

Glanz, Glamour und hochrangige Gäste

68klein.jpgBerühmte Persönlichkeiten gingen im La Mamounia ein und aus. Winston Churchill entfloh hier den kalten englischen Wintern, fand das perfekte Licht für seine Gemälde, schrieb an seinen Memoiren und teilte seine Begeisterung für „den schönsten Platz auf Erden“ mit weiteren Staatsmännern wie Franklin D. Roosevelt oder Charles de Gaulle, für
den die Hotelleitung ein spezielles Bett aufstellen musste, das seiner Leibesfülle gerecht wurde.

Selbst als Filmrolle hatte das Hotel einen großen Auftritt. „Marokko“ mit Marlene Dietrich wurde hier ebenso gedreht wie der Filmklassiker „Der Mann der zuviel wusste“ von Alfred Hitchcock. Die Stars und Größen der amerikanischen und französischen Filmszene ließen so nicht lange auf sich warten: Kirk Douglas, Omar Sharif, Nicole Kidman, Sylvester Stallone, Richard Gere, Susan Sarandon, Tom Cruise, Sharon Stone, Kate Winslet, Jean Paul Belmondo, Catherine Deneuve, Alain Delon, Claudia Cardinale, Sophie Marceau und viele mehr stehen auf der legendären Gästeliste des Hotels. Den Filmschaffenden folgte die Modewelt mit Designern wie YvesSaint Laurent and Pierre Balmain.

78klein.jpgIn den wilden 70ern entdeckte auch die Musikerszene den Reiz von Marrakesch, und das La Mamounia hieß Rockbands wie die Rolling  Stones oder Crosby, Stills, Nash & Young, die ihren Hit „Marrakesch Express“ hier schrieben, willkommen. Später folgten berühmte Musiker wie Andrea Boccelli, Julio Iglesias oder Elton John. Unter Politikern und königlichen Familien hat ein Besuch im La Mamounia seit jeher Tradition. Persönlichkeiten wie Theodor Roosevelt, Ronald und Nancy Reagan, Nelson Mandela, Prinzessin Carolin von Monaco, Jacques Chirac oder Helmut Kohl bezogen hier regelmäßig Quartier.

Mekka der Modeschöpfer

La_Mamounia_Day_11_142klein.jpgAuch der Run auf die Riads von Marrakesch hatte oft im La Mamounia seinen Ursprung. Modepäpste wie Yves Saint Laurent, Versace, Kenzo, Valentino oder Jean Paul Gaultier suchten sich ein zweites Zuhause in den geheimnisvollen Gassen der Altstadt, nachdem sie den Zauber dieses Ortes bei einem Aufenthalt im La Mamounia erlebt hatten. Yves Saint Laurent verfügte sogar, dass seine Asche post mortem im Rosengarten des Jardin Majorelle verstreut werden sollte.

Marrakeschs Magie ist ungebrochen: Der „Ambiente-Tourismus“, das pulsierende Leben vor exotischen Kulissen und neue Highlights wie Golfplätze und exotische Luxusdomizile sorgen für immer neue Fans im Kreis der anspruchsvollsten Gäste weltweit. Für Persönlichkeiten von Franz Beckenbauer bis Thomas Gottschalk, von Nicole Kidman bis Madonna besitzt die marokkanische Märchenstadt einen unwiderstehlichen Reiz. Marrakesch ist das alt bekannte und immer wieder neue Mekka der High-Society.

Der Mythos lebt

La_Mamounia_Day_3_1137klein.jpgMit umfassenden Umgestaltungsarbeiten wurde die Art-déco-Ikone der Zwanziger Jahre jetzt zu neuem Leben erweckt. Eine enorme Herausforderung und Verantwortung, dieses einzigartige Luxusdomizil mit seinen viele Kunstschätzen der klaren Handschrift zeitgenössischer Architektur anzunähern. So kam für die Neuausrichtung des Palastes nur einer der weltbesten Innenarchitekten in Frage: Jacques Garcia. Der König selbst, der seit jeher wie ein Schutzpatron seine Hände schützend über das Anwesen legt, hatte sich für Garcia entschieden.

La_Mamounia_Day_7_090klein.jpg„La Mamounia ist eine Reminiszenz an einen alten Mythos und verkörpert gleichzeitig ein modernes Märchen, wie es oft gesucht und selten gefunden wird“, schwärmt Jacques Garcia. „Durch das Zusammenspiel aus dem Besten, was die Welt des 21. Jahrhunderts zu bieten hat, und den traditionellen Schätzen dieses legendären Domizils, steht La Mamounia für ein einzigartiges Hotelerlebnis. Es wird zum festen Teil des Mythos, der seine Aura geprägt hat.“

Jacques Garcia entdeckte schon früh seine Liebe für Antiquitäten und exquisite Einzelstücke, die er in den Mittelpunkt seines zeitgenössischen Architekturstils stellt. Geboren 1947, hauchte der Meister zunächst Traditionshäusern in Biarritz und an der Côte d´Azur neues Leben ein. Für den Sultan von Brunei gestaltete Garcia ein 6.000 Quadratmeter großes Palais nahe der Place Vendôme in Paris. Der internationale Durchbruch begann 1996 mit der Ausstattung des Hôtel Costes und 1997 mit dem Kaffeehaus Ladureé auf dem eleganten Prachtboulevard Champs-Élysées. Sein herausragendes Design ist heute neben Paris in New York, Chicago, Las Vegas, Beirut, Baden-Baden, Genf, Den Haag oder Brüssel gefragt. Mit mehr als 40 Großprojekten pro Jahr ist der Workaholic Garcia einer der begehrtesten Innenarchitekten der Welt. Zusätzlich zu den Fremdaufträgen entwirft Jacques Garcia eine eigene Möbel- und Accessoires-Linie mit Lampen und Stoffen.

La_Mamounia_Day_6_139klein.jpgDoch seine wahre Leidenschaft gehört der Innendekoration von mystischen Orten bekannter Persönlichkeiten. Hier nimmt Garcia die Aura der ehemaligen Bewohner auf und setzt sie gekonnt in Szene. James Joyces Lieblings-Restaurant Le Fouguets zählt dazu ebenso wie Oscar Wildes Hôtel des Beaux-Arts oder nun Winston Churchills Lieblingshotel, das La Mamounia in Marokko.

Hier trifft der französische Innenarchitekt auf eine wahre Oase stilistischen Patchworks: Schwere Berberteppiche unter Art-déco-Möbeln, geschliffene Murano-Leuchter, ein fast 80 Jahre alter Flügel, auf dem schon Béla Bartók oder Maurice Ravel Darbietungen ihres Könnens gaben. Vier prunk- und phantasievoll gestaltete marokkanische Suiten, eine Lobby, die sich zu einem, dem Löwenhof der Alhambra ähnlichen Innenhof öffnet, und reich verzierte maurische Torbögen: Garcia jongliert mit all diesen Elementen der jeweiligen Epochen und kreiert daraus seine ganz eigene Interpretation von Zeitgeist und modernem Luxus. „Im La Mamounia ist die Tradition meine Modernität“ – so der Meister selbst.

La_Mamounia_Day_8_253klein.jpgAber auch für Gäste, die nicht im Haus wohnen können, bietet das La Mamounia mit seinem Spa oder seinen drei hervorragenden Restaurants genügend Anlass, einmal vorbeizuschauen. Gerade in der Nebensaison, wenn genügend Kapazitäten frei sind, lohnt auch ein Besuch für eine kurze Stippvisite, um sich vom Zauber des Hauses vereinnahmen zu lassen.

La_Mamounia_Day_7_208klein.jpgIm Grunde gelingt der Stadt Marrakesch mit einem La Mamounia ein einmaliges Paradoxon. Obwohl sich der Gast bei all den sinnlichen Reizen wie im Zentrum des Morgenlandes wähnt, liegt Marokko doch zwei Zeitstunden westlich von Deutschland; in Deutschland also geht zuerst die Sonne auf, hier wäre das Morgenland zu vermuten, in Marokko dagegen das Abendland. Aber jeder, der die Stadt und das grandiose Hotel betritt, wird unmittelbar ahnen: hier handelt es sich in Allem um eine wunderbare Ausnahme. Bald steht der 90. Geburtstag des La Mamounia ins Haus; die Welt darf gespannt sein. Es wird wieder ein Fest geben, Bacchus hat seine Ariadne schon gefunden und weiß sie singend bis hinauf zum hohen H in der gleichnamigen Strauss Oper für alle Zeiten bei sich. Aber wer ahnt schon, wer dieses Mal seinen Traumprinzen erwarten darf?  Im La Mamounia werden Träume für die Ewigkeit wahr; an kaum einem anderen Ort der Welt verschmelzen Orient und Okzident derart harmonisch miteinander:„Und eher stürben die ewigen Sterne, eh denn du stürbest in meinem Arm“ (Hugo v. Hofmannsthal/Richard Strauss).

Informationen:
www.mamounia.com


 

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