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Neue Zeiten für Mallorca - Qualitätstourismus erobert zunehmend die beliebte Balearen Insel

Autor: Text: Dr. Frank Sistenich, Fotos: Agentur, TRAVELLERstyle international - Europa: Westeuropa

Die schlechten Zeiten sind vorbei, zumindest erscheint Licht am Ende des Tunnels und Mallorca setzt wieder zunehmend auf Qualitätstourismus. Das St. Regis Mardavall und das Castillo son vida weisen den Weg

Wenig Destinationen sind in Deutschland derart imagebeladen wie Mallorca. Die Hauptinsel der Balearen liegt bereits seit den 70er Jahren hoch im Kurs der Bundesbürger, die seinerzeit zuerst Italien für sich entdeckt haben und anschließend wie die Heuschrecken über Spanien herfielen. Der große Nachfrageansturm hat seit den 80er Jahren seine baulichen Spuren hinterlassen, spätestens mit der Etablierung der Ballermann-Kultur in den 90er Jahren schien das Schicksal der Insel besiegelt. Unzählige Bausünden sowohl an der Küste wie auch auf der Insel wiesen die Richtung des Wachstumskurses. Spanien setzte auf Billigtourismus, unzählige Kapazitäten wurden geschaffen, die bereits seit Jahren als Überangebot zu werten sind, da der Strom der preissensiblen Nachfrager sich zu neuen Ufern aufgemacht hat und zuerst in die Türkei und nun in den letzten Jahren an die Küste von Kroatien an der östlichen Adria weitergereist ist. lux3090re.jpgEs wurde einsam in so mancher Bettenburg in Spanien, ganze Areale sind verwaist, noch heute schwelt auf dem spanischen Festland wie auch auf den Inseln so mancher Streit um verlassene Bauruinen, deren Investoren umsonst auf sprudelnde Rendite und ahnungslose Touristen hofften.

Auf Mallorca wurden in den letzten Jahren allmählich die Zeichen der Zeit verstanden, aktuell werden üble Bausünden der letzten Jahrzehnte behutsam abgerissen oder neu verkleidet, Kapazitäten werden zurechtgestutzt, die Insel beginnt sich mehr qualitativen und weniger quantitativen Aspekten der Tourismuswirtschaft zu nähern und an ihr reiches kulturelles Erbe anzuknüpfen. lux3090re2.jpgEs wird Zeit, sich den Wurzlen spanischer Tradition und Gastfreundschaft zu erinnern, die mit Billgtourismus klassisch nichts am Hut haben. Die Regierung der Insel ist bemüht, das Billigimage abzuschütteln und die Hotellerie beginnt, sich neu auszurichten. In der Spitzengruppe des Angebots sind die beiden Häuser des St. Regis Mardavall oder des Castillo son vida in der Nähe von Palma de Mallorca zu nennen. Beide Häuser ergänzen sich perfekt, je nachdem, welche Interessen den Urlaub auf der Insel legitimieren. Das St Regis gehört zu den lediglich drei Häusern der Marke in Europa (neben dem Grand Hotel in Rom und dem Lanesborough in London) und ist das einzige Resort der Top-Luxusmarke in Europa. In den Jahren seit Neugründung 2002 bis Ende 2007 wurde das Haus auf Mallorca in die Gruppe der Luxury Collection zugeordnet, seit 2008 erfolgte in weiteres upgrading zur St Regis Gruppe. Das Resort verfügt über 133 Zimmer und der Positionierungsschwerpunkt liegt auf den Themen Spa und Küche. Mit Thomas Kahl, Jahrgang 1975, konnte jüngst ein Chef der Sternegarde gewonnen werden, der auf Mallorca mit seinem 40-köpfigen Team momentan als gebürtiger Österreicher den Maßstab des guten Geschmacks vorgibt. Die Küche ist modern, aber unprätentiös, leicht und mit Konzentration auf lokale Lebensmittel, was in Mallorca nur von Vorteil sein kann. Reservierungen auch für Gäste, die nicht im Hotel wohnen, sind möglich, bedürfen aber zeitiger Voranmeldung, da dem Restaurant unausgelastete Kapazitäten fremd sind. str1403sp.jpg

Der "Arabella Spa" des St. Regis gehört zu den geräumigsten der Insel (4.700 qm), sein Alleinstellungsmerkmal ist zum einen der Fokus auf alternative chinesische Medizin wie beispielsweise Akkupunktur als Botox-Ersatz. Fest steht: es wirkt. Ein zweites Alleinstellungsmerkmal ist die Auswahl der Kosmetiklinie von Anne Semonin. Die französische Marke ist hierzulande noch kaum bekannt, gehört aber zu den exklusivsten Linien des Kontinents. Sicher eine sehr gute Entscheidung des Spa im St. Regis. In Paris ist die Boutique von Semonin im Palasthotel Le Bristol der Oetker-Collection in der altehrwürdigen Rue Faubourg St. Honoré zu finden.

Eine zweite Distributionsmöglichkeit von Anne Semonin liegt im Spa des Castillo son vida hoch oben auf den Bergen im Umland von Palma gelegen, auch dieses Spa arbeitet mit der französischen Marke. Das alte Castillo aus dem 13. Jahrhundert hatte schon Onassis und Maria Callas beherbergt oder Fürstin Gracia Patricia und ihrem Fürst von Monaco in der 60er Jahren gefallen. Im Jahr 1961 eröffnete das Hotel. Heute punktet das über die Jahre durch Anbauten erweiterte Haus durch seine umliegenden Golfplätze. Über 60 Golflöcher sind auf 4 naheliegenden Parcours disponibel, ein Rekord für die Insel und ein kleines Paradies für die Spieler. Dieses Haus zählt heute zur Luxury Collection, stößt aber mit seinen 162 Zimmern  sicher an die obere Grenze dessen, was für den Grundstock des alten Hauskomplexes noch vertretbar ist. Ob mit über 320 Gästen bei voller Auslastung noch dem alten Charme der Anlage entsprochen werden kann, soll dahin gestellt bleiben. Viel schöner und weit adäquater wäre es, die Anzahl der Zimmer zu minimieren und aus dem alten Komplex ein Suiten Hotel zu machen, um besser dem Anspruch einer Luxury Collection zu entsprechen. Synthetische Bettwäsche (Füllung), Plastikkulis oder mangelhafte Briefschaft entsprechen dem heute noch nicht und scheinen am falschen Ende gespart. Dies dürfte eigentlich in einem fünf Sterne Haus nicht passieren. lux3090ex.jpgDas Renovierungsvolumen von 27 Millionen Euro im Jahr 2006 erscheint auf den ersten Blick stattlich, ist aber eine verschwindend geringe Summe im internationalen Vergleich am Beispiel von Luxushotels. Vergleichbare Häuser historischer Grundsubstanz, die in diesem Jahr renoviert werden, kommen auf ein Investitionsvolumen von bis zu 2 Millionen Euro - pro Zimmer! Man würde vielleicht besser fahren, sich auf eine überschaubare Größe zu konzentrieren und hier Exklusivität zu bieten, so wie dies in den frühen 60er Jahren schon einmal der Fall war. Andererseits ist die Auslastung auch als Seminarhotel (es gibt sechs wunderschöne Konferenzräume mit Tageslicht und Meerblick) an große Zimmerkapazitäten gebunden, die eine Reduzierung auf max. 80 Zimmer undenkbar werden lässt. Ein Spagat, dessen Lösung noch aussteht. So bleibt die Frage offen, auf welchen weiteren Weg sich das Hotel begeben möchte: Sport- und Golfhotel, Familienhotel (mit einer wunderschönen Poolanlage) oder Seminarhotel zur Ansprache des business to business Segments? Von allem etwas, wie es bislang der Fall ist, wird mittelfristig, wenn sich auch andere, neue und hochwertige  Anbieter positioniert haben (die Jumeirah Gruppe steht z.B. kurz vor der Eröffnung), nicht einfach werden. Wenn andere Investoren positionierungsscharf in das Luxussegment investieren, wird das wunderbare Castillo spätestens sich zu entscheiden haben; das Haus entspricht aktuell eher einem vier Sterne plus Standard und repräsentiert unglücklich die zentrale Problematik so mancher Luxury Collection Häuser. Mit über 70 Hotels ist die Marke extrem heterogen ausgerichtet und suboptimal entwickelt; zu divergent sind die einzelnen Häuser in ihrer Wertigkeit und Positionierung. Aus dem Unternehmen heisst es, die Probleme seien bekannt und man werde sich der Thematik zügig annehmen. Besser heute als morgen, denn es wäre schade um das herrliche Potenzial dieser Anlage. Das neue Markenmanagement wird die Marke Luxury Collection wieder ins rechte Licht zurücken wissen. Zu dynamisch und lukrativ ist das Luxussegemnt, um sich hier auf alten Lorbeeren auszuruhen.

Aber schon jetzt verfügt das Castillo über Mallorcas schönste Terrasse mit einer traumhaften Aussicht und zudem mit einer neuen, fabelhaften Küche, die auch die Einwohner der Insel anspricht. Es bleibt zu hoffen, dass sich das Haus wieder auf seiner authentischen und historischen Stärken besinnt und sich demnach exklusiveren Zielgruppen gegenüber ausrichtet. Die Potenziale der Anlage sind bis heute die schönsten und wertvollsten der Insel. Hier müsste gelten, weniger ist mehr. lux3090re1.jpgEin Angebot, das vor dem Hintergrund der außergewöhnlich schönen historischen Substanz vor allem der wertvollen und stilsicheren öffentlichen Räume (die Zimmer können hier nicht mithalten und entsprechen bedingt einem Luxusstandard, die Bäder sind top) von anderen nicht kopiert werden könnte und das auch besser mit der neuen Zielrichtung von Mallorca kompatibel wäre: Qualität vor Quantität. Die Zukunst auch des wunderbaren Castillo son vida hat heute begonnen.

Information:
St. Regis Mardavall
Telefon: (34)(971) 629629
Fax
: (34)(971) 629630
Castillo Hotel son vida

Telefon
: (34)(971) 493493
Fax
: (34)(971) 493494

www.starwoodhotels.com


 

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