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Karibische Segelabenteuer: auf den Spuren der alten Windjammer

Autor: Text: Dr. Frank Sistenich, Fotos: Dr. Frank Sistenich, Sea Cloud Cruises, TRAVELLERstyle international - Amerika: Südamerika
Süchtig nach Wind:
Wie Sirenen klingen bis heute die warnenden Stimmen in meinen O­hren nach. „Mit einem Segelschiff in die Karibik? – Ob­ ich mir das auch gut überlegt hätte?“ Der kalten Jahre­szeit zu entfliehen und das milde Klima der kleinen Antillen zu genießen, konnte jeder nachvollziehen. Aber ­ausgerechnet ein Segelschiff? Natürlich hatt­e ich mir das gut überlegt und ebenso natürlich musste es ein Segelschiff sein, schließlich gibt kaum eine spannendere Alternative. Mögen die besorgten Kommentare der lieben Bekannten einem antizipativem Mitgefühl in stürmischer See oder einer kleinen Spur von kollektivem Neid geschuldet sein, ich habe sie alle getrost dem Wind überlassen. Segelschiffe stehen höher denn je im Kurs und die aktuellen Böen des Marktes halten mit der Sea Cloud und der Sea Cloud II die Top-Schiffe der Weltmeere im Angebot. Ich hatte mich für eine Reise mit der Sea Cloud II entschieden, aber was wird mich an Bord erwarten?



Wer dem Spätherbst oder der Winterszeit den Rücken kehren möchte, den empfangen Barbados und Bridgetown als Hafen der Wahl mit sonnigen 28 Grad. Wie einmalig ist das Gefühl, einen Vollsegler als Großschiff zu besteigen, wenn auch der direkte Vergleich zu den an den Piers schlummernden Blockbuster-Schiffen unserer Zeit den Gästen auf der Gangway der Sea Cloud II ein Schmunzeln beschert. Ja, wir sind unter uns, die Gesellschaft bleibt mit 80 Gästen an Bord überschaubar und intim. Leicht gelingt der Kontakt zu den Mitreisenden, die Einschiffung zum Nachmittag wird durch die Tea-Time versüßt und die Geheimnisse eines Segelschiffes bedürfen erst einmal der Erkundung. Bis zum ersten Fünf-Sterne-Menü am Abend vergeht die Zeit mit Entdeckungsreisen an Bord und die Matrosen gewinnen mit ihrem breiten Lächeln die Sympathie der Passagiere für die gemeinsamen 10 folgenden Tage in der Inselwelt der kleinen Antillen im Sturm. Gegen solcherlei Stürme ist nichts einzuwenden und mitten auf See wird’s wohl nix zu lachen geben. Dachte ich mir, bis dahin zumindest. Ein Irrtum, wie sich noch erweisen sollte.



Mit weiser Rücksicht auf den vorzüglich gestillten Appetit der Gäste wartet Kapitän Lickfett mit dem Auslaufen unseres luxuriösen Segelpalastes bis zu den frühen Morgenstunden.
Der erste Tag gehört ganz der hohen See. Auf dem Weg nach Tobago heizt uns Frau Sonne getreu den kühnsten Erwartungen mächtig ein und erst die Cocktails an Bord versprechen Abkühlung. Kölner Dialekt beherrscht das Lachen an der Bar auf Deck. Es heißt, ein rheinländischer Golfclub sei mit von der Partie und auf einigen der angelaufenen Inseln werden während des Landprogramms Golfturniere ausgespielt. Dann wird es still. Inmitten der besten Laune erscheint der Kapitän persönlich, um uns allen die Leviten zu lesen. Zuerst trifft es die Matrosen, die aus ihren Kajüten stürmen, die Segel zu hissen. Der Cocktail ist vergessen und mit Staunen verfolgen wir die am Vorabend so unbeschwerten Matrosen bei ihrer harten Arbeit in den drei hohen Masten des Schiffes.




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In einem türkisfarbenen Meer eine Kette kleiner Inseln – mal tropisch grün, mal wüstenhaft herb: Herausforderungen für Segler, Paradiese für Taucher, Bühne phantasievoller Musiker, aber vor allem ideale Fleckchen, um an sonnigen Stränden einmal richtig auszuspannen.


Kapitän Lickfett nimmt uns alle mit nach vorne auf den Bug ins Vorschiff und die kommende Stunde zählt zu den spannendsten auf hoher See, die man sich wünschen kann. Während sich bei einer klassischen Kreuzfahrt die kommunikative Kompetenz des Captains mehrheitlich auf das zementierte Lächeln mit der guten Miene beim Captains-Dinner beschränkt und dort der Großteil der Verantwortlichkeiten auf den geübten Schultern des Kreuzfahrtdirektors ruht, wird das Kommunikationstalent (nautische Fähigkeiten nicht ausgeschlossen) auf einem Großsegler zum Engpassfaktor, denn die passive Einbindung der Gäste in die manuellen Segelmanöver ist das zentrale Ereignis an Bord.



Auf der Sea Cloud II ist also mit Kapitän Gerhard Lickfett ein Weltmeister der Begeisterungsfähigkeit am Ruder, der nicht nur aus eigenem Erleben fast alle aktiven Großsegler dieser Welt kennt, sondern der manöverabhängig das Mannschaftserleben an Deck kommentiert und damit unserem Enthusiasmus auch noch eine theoretische Grundlage liefert. Wind- und Seeverhältnisse werden öffentlich und gemeinsam analysiert, die Segelkommandos im Detail erklärt und auf Tafeln durch den Chef eigenhändig visualisiert. Manchmal hat es den Anschein, Captain Lickfett sei auch noch für den Wind verantwortlich. Wir alle gehen wieder zur Schule – und merken es eigentlich gar nicht. Aufklärung ist also angesagt und es folgt eine Vorlesung zur Zukunft der Großsegler.



Unsere Sea Coud II ist ein moderner Bau aus dem Jahr 2001, der nach traditionellem Vorbild ihres Schwesterschiffes, der alten Sea Cloud, gebaut ist. Segel werden von Hand bestellt und die vielen Apparaturen an Bord dienen nicht der Zierde, sondern sind unablässliches Ausrüstungsmaterial für die Ausstattung des Schiffes. Daher auch die ständige Bitte um Vorsicht an Deck: „Laufendes Gut!“ Hätten Sie’s gewusst? Die Taue und Seile an Bord stehen also nicht im Sinne der touristischen Belustigung zur Disposition. Der Unterschied zwischen beiden Schiffen ist im Wesentlichen ihr Alter. Während die alte Sea Cloud (Jahrgang 1931) bereits den Nimbus einer Legende über die Weltmeere trägt, fügt sich der Neubau der Sea Cloud II mühelos in das Konzept eines authentischen Segelangebotes im Luxussegment, wenn auch mit mehr Hotelschiffcharakter. Beide Schiffe segeln in der Tradition der alten Windjammer und werden bei Bedarf lediglich durch einen Motor mit Schiffsschraube unterstützt.



Wie bemerkenswert dieses Konzept der klassischen, manuellen Segelsetzung per Hand durch die ca. 30 Matrosen Besatzungsstärke ist, zeigt die Neuausrichtung von Konkurrenzschiffen mit der modernen Rollsegeltechnik. Per Knopfdruck fahren diese ihre Segel aus und per Knopfdruck werden sie auch wieder eingerollt. Matrosen an Bord werden dort kaum mehr benötigt und da scheint es plausibel, die Mannschaftsstärke an Bord deutlich zu reduzieren. Die Folgen des freien Platzes sind eine höhere Passagierkapazität dieser Schiffe und deutlich günstigere Tagessätze für den Geldbeutel der Reisenden. Solch feine Unterschiede der Segelschiffkonzepte waren uns Gästen kaum bewusst und um so mehr genießen wir unser authentisches Kreuzen vor den Launen der karibischen Winde. Zur Feier des Tages öffnet Kapitän Lickfett die Badeplattform auf hoher See und nicht wenige Unerschrockene machen Gebrauch von dem Angebot, sich kopfüber in die offenen Fluten der karibischen See zu stürzen.



Der darauf folgende Tag macht nun ernst mit dem Besichtigungsprogramm der Inseln. Den exotischen Schnorchelkursen in Charlotteville/Tobago folgt in Canouan/Grenadinen einer der schönsten Strände der karibischen Welt. Die Sea Cloud II liegt auf Reede und wird zum Blickfang der Inselbewohner. Dank unserer Zodiacausstattung (Außenbordmotor betriebene Schlauchboote) können unabhängig von den beiden größeren Tenderbooten auch kurzfristige Transfers gestartet werden und die bis zu acht Passagiere in den Schlauchbooten genießen sichtbar das Mäandern in den kleinen Buchten der Insel. Wer die Karibik kennt, hat im Regelfall sein Lieblingplätzchen. Gilt hierfür die Anzahl der Privatyachten in den versteckten und windgeschützten Buchten der Inseln als zentraler Indikator, so würde Port Elizabeth auf Bequia die Palme für sich beanspruchen dürfen.



St. Lucia dagegen hat mit seinen beiden Vulkankegeln das imposanteste Naturdenkmal zu bieten und für Freunde der Historie napoleonischer Kriege gebührt St. Kitts mit seiner hoch gelegenen Festung die Krone der kleinen Antillen. In jedem Fall aber lehrt die Karibik, zwischen den ehemals englischen und französischen Kolonien zu unterscheiden. Haben die Engländer ihre besetzten Inseln in der 80er Jahren in deren Unabhängigkeit entlassen, zählt Frankreich einen Teil der Inseln zum außereuropäischen Geltungsbereich der Europäischen Union und fördert die Infrastruktur samt dem Tourismus der Inseln bis heute. Der Besuch der Sea Cloud II auf St. Barthélemy führt direkt in die Kolonnaden der bekannten Nobelboutiquen des Kontinents, die steuerbefreit in der frz. Karibik als Mischung zwischen französischem Chic und karibischer Lebenskunst ihre Fortführung finden.


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Die vielen Tüten der Mitreisenden zeugen von einem durchaus erfolgreichen Inselbesuch und spätestens ein kurzer Blick auf die Abendgarderobe zum Anlass des karibischen Festmahls an Deck zeigt, dass der erste Eindruck kaum täuschte. Die nächste Ankunft in den frühen Morgenstunden des vorletzten Tages hat für alle eine Überraschung parat. In der prachtvollen Bucht der Îles des Saintes wartet bereits eine betagte Nachbarin auf uns. Die alte Sea Cloud mit ihren vier stolzen Masten blickt auf unser Ankermanöver und sogleich werden für den Mittag gegenseitige Inspektionen verabredet. Die Kreuzfahrtdirektoren beider Schiffe arrangieren einen Welcome Drink an Bord des jeweiligen Nachbarschiffs.

­­ Nach einem ausgedehnten Stranderlebnis können wir es kaum mehr abwarten, die 75 Jahre der alten Sea Cloud selbst in Augenschein zu nehmen. Wir lassen uns begeistern und freuen uns umso mehr zu erfahren, dass beide Schiffe am letzten Tag ihrer Reise den Weg zum Zielhafen St. John auf Antigua als Tandemfahrt gestalten werden.



Fotomotive diesmal nicht nur für die Lieben zu Hause. Kapitän Lickfett lässt die Zodiacs für eine Wassersafari hinunter und die Gäste brausen in den Schlauchbooten zwischen den Großseglern hin und her. Wie zwei Königinnen liegen die beiden Prachtsegler am Folgetag an der Pier im Hafen von St. John und es heißt Abschied nehmen, um sich den sorgfältig mit dem Fahrplan der beiden Sea Clouds abgestimmten Diensten der Condor in Richtung Heimat anzuvertrauen. Wie schön ist es da zu wissen, dass unser aller Zuhause etwa auf halbem Weg zwischen der Karibik und der Ägäis liegt.
Nach den erfolgreichen Karibikreisen starten die beiden Sea Cloud-Schwestern ihre Crossing-Passage über den Atlantik, um rechtzeitig zur Frühjahrs- und Sommersaison zurück in Europa zu sein und Ostsee oder Kykladen im Mittelmeer zu bereisen. Aber auch hier, in den alten Gefilden Poseidons, steht zu erwarten, dass die Gäste der authentischen Großsegler es besser haben werden als seinerzeit Odysseus, festgebunden an seinem Segelmast.
Die Sirenen unserer Zeit künden das hohe Lied eines luxuriösen Segelabenteuers, für dessen Zukunftsbestand aber vielleicht wirklich noch einmal, wie schon zu Odysseus Zeiten, Athene zu Hilfe gerufen werden muss. Im Jahr 2010 sind weltweit neue Sicherheitsstandards der Meeresschifffahrt zu erwarten.
Zumindest die alte Sea Cloud mit ihrem erheblichen Holzbestand könnte dann versicherungstechnisch ins Abseits segeln. Noch ist nichts entschieden, aber die Götter im Segelolymp werden es sicher zu richten wissen.


INFORMATIONENAnreise
Alle Reisen der beiden Sea Clouds sind über eine Kooperation mit dem Flugplan der Condor abgestimmt. Die Einschiffung erfolgt am Anreisetag, so dass keine unnötigen Übernachtungen entstehen, sofern nicht eine Verlängerung der Reise gewünscht wird.

Routenplanung
Von April bis Oktober sind beide Schiffe im Mittelmeer und in der Ostssee unterwegs, von November bis März werden die karibischen Gewässer befahren.
Die Transatlantikpassagen können separat gebucht werden.
Zu den aktuellen Routen
www.seacloud.com

Buchungen und Specials
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Telefon: +49 (0)30-26 30 60 58
www.discoveryweltweit.de



Text: Prof. Dr. Frank Sistenich
Fotos: Prof. Dr. Frank Sistenich
Fotos: Sea Cloud Cruises
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