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Neue Maßstäbe für Paris: Das Hotel Lancaster definiert die Standards der Luxushotellerie neu

Autor: Dr. Frank Sistenich, Bilder Agentur, TRAVELLERstyle international - Europa: Westeuropa

Die Luxushotellerie in Paris befindet sich im Umbruch, aller Orten wird investiert. Das kleine aber feine Boutique Hotel in der Rue de Berri weist den anderen den Weg

Wer heute einen Blick auf Paris wirft, glaubt seinen Augen nicht zu trauen. Zu umfangreich sind die aktuellen Renovierungs- und Sanierungsprozesse im Fünf Sterne Plus Segment. Fast im Windschatten der grossen Nobelketten hat sich unweit der Prachtmeile Champs-Elysees mit dem Hotel Lancaster, das sich, um die nötigen Investitionen zu tätigen, erst vor kurzen von der spanischen Hospes Gruppe getrennt hat, ein sehr feines Boutique Hotel mit an die Spitze der Seine Metropole gesetzt. Valentino Piazzi, der charmante italienische Generalmanager mit Wurzeln in Südtirol hat ganze Arbeit geleistet und erntet nun mit dem Erfolg seines Konzeptes die Früchte seiner Bemühungen.

2klein_1.jpgDoch wie kann sich ein Hotel mit 56 exzellenten Zimmern und Suiten an die Spitze und teilweise deutlich vor die berühmten Hotelketten positionieren? Ganz einfach, in dem er die Konzeption aus der Persepektive der Kundenwünsche denkt und eben nicht aus der hoteleigenen Sicht der Kostensenkung. Ein Beispiel: Aller Orten in Paris ist es schon seit den 70er Jahren üblich, alle Zimmer und Suiten mit Teppichboden auszukleiden. Mag Veloursauslegware auf die erste Sicht gemütlich erscheinen, vergleicht man den Anblick aber mit renoviertem Parkettboden der Gründerzeit, gibt es nichts mehr zu vergleichen; zu gross ist die ästhetische Differenz der Präferenzbildung. Und genau dies hat Piazzi getan. Sukzessive wurden alle 76.000 Parkettstäbe der Zimmer und Suiten entfernt, einzeln per Hand abgezogen, geschliffen, neu verlegt und mehrfach lackiert und versiegelt. Das dunkel getönte Eichenparkett der Gründerzeit wirkt sehr hochwertig und ist jedem Teppichboden, der letztlich immer unhygienisch und in Teilen schmutzig ist, ästhetisch und hygienisch weit überlegen. Natürlich wird in den einzelnen Zimmern, wie z.B. der famosen Suite von Marlene Dietrich auch mit einzelnen Teppichen gearbeitet, die in Farb- und Formgebung der Art Deco Zeit nachempfunden sind. So ist es das Ensemble einer extrem geschmackvollen und stilsicheren Ausstattung, die dieses Hotel in die erste Liga von Paris versetzt.

_J5B0442klein.jpgNach dem alle Zimmer und Suiten saniert waren, wurden jüngst im Erdgeschoss die öffentlichen Räume renoviert. Restaurant und Bar wurden umgestaltet und sind binnen kürzest Frist zum hotspot des 8. arrondissements geworden. Es kommt nicht von ungefähr, dass Tische im Vorhinein renoviert werden sollten und wer in den Tagen der Fashion Week hier vorbei schaut (und in Paris ist praktisch immer Fashion Week) glaubt all jene Gesichter wieder zu sehen, die in den grossen Publikumszeitschriften unserer Zeit die Seiten füllen. 

_J5B0393klein.jpgWer die Geschichte des Hauses verfolgt merkt schnell, dass das Management dem Grunde sich über die vielen jahrzehnte treu geblieben ist, denn das Lancaster war immer ein Geheimtipp und hat sich der Belange seiner Gäste intensiver angenommen, als dies vielleicht so manchem grossen Palasthotel wichtig oder möglich war. Nicht umsonst wählte die Dietrich genau dieses versteckte Hotel in den späten 30er Jahren für sich und ihre Tochter als feste Wohn- und Heimstätte.

Drei Jahre wohnte die Dietrich fest im Lancaster in Paris. Ab 1938 sie mit ihrer Tochter in einer noblen Suite, die zu den Attraktionen der Weltstadt gehört und noch heute gern von Künstlern gebucht wird. Marlene Dietrich ist bis heute der vielleicht berühmteste deutsche Weltstar geblieben. Bekannt für ihren exklusiven Stil und exquisiten Geschmack setzte sie Maßstäbe, vor allem in der Mode. Weniger bekannt dagegen sind ihre Lieblingsplätze, wo sie sich wohlfühlte und heimisch wurde. Ihre Nähe zu Frankreich, der sie ein Leben lang treu blieb, geht auf die Zeit im Hotel Lancaster zurück, das sie Ende der 30er Jahre also fest bewohnte.

Lancaster_002_1_klein.jpgAuf der Rückkehr von Hollywood reiste die Dietrich zumeist auf dem Luxusliner ‚Normandie’ mit Töchterchen Maria nach Frankreich. In Le Havre wartete der Zug und von hier aus ging es direkt zu den Champs Elysées. Versteckt in der Rue de Berri No. 7, einer unauffälligen Seitenstraße nahe der Metrostation George V, liegt der kleine Palast, der zu den Geheimtipps der Seine Metropole zählt und in dem das Erbe der Schauspielerin bis heute bewahrt wird.

In den feudalen Zeiten des vor vergangenen Jahrhundertsdiente der Prachtbau aus dem Jahr 1889 im Stil des Ancien Régime als Maison Particulière eines reichen Grafen, dessen Einrichtung zu Zeiten Dietrichs in Teilen noch den Palast zierte.

3 - Copieklein_1.jpgDer spanische Aristokrat Santiago Drake des Castillo kaufte das Anwesen vom Prinzen d’Hennin in Paris und bereits im Jahr 1925 wurde das kleine Schloss zum Hotel Lancaster konvertiert. Maria Riva, die Tochter der Dietrich, erzählt, was der Schauspielerin am Hotel so imponiert hat: Überdimensionierte Baccarat Lüster, Sessel mit  Brokat, üppige Deckenornamente an den hohen Stuckdecken, schwere Taftvorhänge, Flügeltüren wie im Schloss von Versailles und historische Spiegel begleiteten das Meer von Blumen, die das Haus schmückten. „Blumen, Blumen, überall Blumen“ erinnert sich die Tochter an die Jahre mit ihrer Mutter in diesem kleinen Edel-Palast.

Obwohl der Luxus fast unbeschreiblich war und die Erinnerung an diese Vorkriegszeit bis heute vorgehalten hat, bleibt doch in erster Linie ein andres Attribut im Rückblick der Tochter haften, für das das Lancaster bis heute geschätzt wird. „Fast drei Jahre lebten wir hier und obwohl es viele Luxushotels in Paris gab, zeichnete sich das Lancaster vor allem durch eines aus: Die große Zurückgezogenheit und Privatheit.“ Diskretion war und ist das Geheimnis.

suite MD (20)klein_1.jpgAb dem Jahr 1938 wurde das Hotel der europäische Hauptwohnsitz von Mutter und Tochter und nie, so schreibt Maria Riva, habe sie je einen anderen Gast kennengelernt, ja nicht einmal gesehen. „Wie konnte es nur möglich sein, dass jedes Zimmermädchen, jede Hilfskraft, der Portier und das ganze Personal wie persönliche Diener aufgetreten? Wo die Zimmer gereinigt und Betten gewechselt wurden, ohne je gestört zu werden?

Wo kein Staubsauger zu hören war in den Korridoren des Hauses? Das Lancaster hat das geschafft! … Nicht einmal registrieren mussten wir uns, warum auch, wenn man auf dem eigenen Schloss willkommen geheißen wird?“ Ihr Vater hat seinerzeit das Juwel für sie und Mutter Marlene ausfindig gemacht. Die Dietrich zog ein Jahr vor Kriegsbeginn hierher nach Paris in den nördlichen Teil des achten Bezirks unweit der Prachtstrasse der Champs Elysées und mietete sich drei Suiten, die miteinander verbunden waren für sich und ihre Tochter Maria. Noch heute ist die Suite Nr. 45 ihr gewidmet und ein Teil des Mobiliars erinnert an die große Schauspielerin, die seinerzeit gerade dabei war, ihre Weltkarriere aufzubauen.

suite_MD__16_klein2.jpgHighlight der Einrichtung der Suite ist eine Originalskizze des Entdeckers der Dietrich, Joseph von Sternberg. Der Regisseur des „Blauen Engel“ hat von der Dietrich während der Dreharbeiten zum Film Porträts skizziert, von denen ein Original in Schlafzimmer von Nr. 45 hängt, gleich über dem Queen-size-Bett. Andere Requisiten und Photos in der Suite sind Originale aus dem Dietrich-Nachlass und wurden von der Familie als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt und sind im Schlafzimmer der kleinen Suite aufgestellt.

Nun also hat das charmante Haus die Renovierung all seiner Zimmer abgeschlossen. Die authentische Rückbesinnung auf das Original hat sich gelohnt. Die in einem leichten Grau- oder Grün Ton gehaltene Wandverkleidung der Zimmer ist an schlichter Eleganz kaum zu überbieten. Die Fenster sind mit zusätzlichem indirektem Licht für den Abend ausgestattet. In der Inneneinrichtung überwiesen zarte Mauve- und Aubergine Töne. Die Dietrich Suite wirkt nun wie ein gemütliches Pariser Appartement, das man gerne als seine Wohnung hernehmen mag.

27___Copieklein.jpgMit seinen 46 Doppelzimmern und 11 Suiten gehört das Lancaster zu den kleinen, aber feinen Luxushotels von Paris. Die Lobby ist voller schicker Louis XV. und XVI. Antiquitäten und Rokoko Uhren, gepaart mit einer farbenfrohen, modernen Einrichtung, die exklusiv für das Hotel gestaltet wurde. Im ganzen Haus hängen Bilder des hoteleigenen russischen Künstlers Boris Pastoukhoff (1894-1974), der seinen Nachlass dem Hotel übereignethat. Umgestaltet wurde das Restaurant, dessen Chef, Michel Troisgros, jüngst mit einem Michelin-Stern prämiert wurde. Auch der Patio ist neu und einem marokkanischen Riad nachempfunden inklusive Fontäne und Grünanlagen. Geblieben aber ist, dass die Marlene Dietrich Suite Nr. 45 noch heute meist von Künstlern bewohnt wird, die sich auf den Spuren der Dietrich gerne länger hier einrichten, oft mehrere Monate lang. Und selbst die Verbindungssuiten stehen für alle, die mehr als 2 Zimmer brauchen, wie damals für die Dietrich auch heute noch zur Disposition.

suite MD (1)klein2_1.jpgDas Lancaster ist ein Pariser Geheimtipp und Mitglied der Nobelkette ‚Small Leading Hotels of the World’. Mit der Renovierung aller Zimmer ist dem Haus eine frische, zeitgemässe Interpretation seiner historischen Wurzeln geglückt. Da in den nächsten Monaten ein Grossteil der Pariser Palasthotels zu Sanierungs- und Renovierungszwecken schliessen wird bleibt abzuwarten, welchen Weg diese einschlagen warden. Sie wären gut beraten, sich an den neuen Maßstäben des Lancaster zu orientieren. Wenn Maria Riva ab und an in der Stadt weilt, hat sie noch immer ihre alte, feste Adresse in der rue de Berri.

suite MD (10)klein2_1.jpgAir France fliegt direkt ab einer Reihe von Flughäfen sehr preisgünstige Flüge nach Paris Charles de Gaulle. Die Gesellschaft bietet ab dem Flughafen zudem eine rasche und ebenso preisgünstige Busverbindung direkt in das Zentrum der Stadt.

 

 

Information
www.hotel-lancaster.com

www.lhw.com
www.airfrance.de


 

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