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Nicht nur zur Frühlingszeit... Prag brummt!

Autor: Text: Dr. Beate Jürgens, Fotos: Dr. Hans-Joachim Jürgens, TRAVELLERstyle international - Europa: Osteuropa
Der Jahrestag des „Prager Frühlings“ jährt sich demnächst und ist doch schon so fern. Fast nichts erinnert mehr an kommunistische Tristesse, die „Goldene Stadt“ erstrahlt mit wunderschön restaurierten Fassaden, gepflegten Anlagen u­nd einem reichen kulturellen Erbe. Die tschechische Hauptstadt hat im Laufe der Jahrhunderte viele Auf- und Umbrüche erlebt: Intrigen zwischen Kirche und Krone, Kämpfe zwischen Protestanten und Katholiken, Habsbur­gern und Preußen, Besatzungen, Revolutionen, kurzum: Geschichte begleitet einen auf Schritt und Tritt in der quirligen Metropole an der Moldau.

Man kann darüber hinaus ganz bestimmt Geschichten erzählen, wenn man auf eigene Faust kreuz und quer durch die Stadt gewandert ist, und... man wandert nie allein.
Die Touristenströme auf der Karlsbrücke, die dieses Jahr ihren 650. Geburtstag feiert, am Wenzelsplatz und auf dem Hradschin mögen irgendwann in den frühen Morgenstunden versiegen, aber glauben Sie keinem Foto, auf dem die Attraktionen menschenleer abgebildet sind! Da war ein Retuscheur am Werk.




Um sich von dem Anprall von Menschenmassen zwischendurch oder zumindest am Abend zu erholen, braucht man ein Quartier, in dem ein Kontrastprogramm läuft: Ruhe, Weite, Abgeschiedenheit, am besten ein Kloster. Und das gibt es seit einem Jahr: Wer im Mandarin Oriental Prague inmitten der Altstadt wohnt, bekommt die Streicheleinheiten für Leib und Seele, die er braucht, um aufzutanken. Alle Sehenswürdigkeiten sind von dieser Oase aus zu Fuß zu erreichen und dennoch ganz fern, wenn man die Klostermauern passiert hat. Das vor einem Jahr eröffnete Mandarin Oriental Prague wurde in einem ehemaligen Kloster errichtet und verbindet sakrale Strenge mit luftiger Eleganz. Im Kreuzgang wird der Tee serviert, im Refektorium finden Konferenzen statt. Und über einen unterirdischen Gang gelangt man in das frühere Hauptschiff der Kapelle, wo sich jetzt der Empfang des Spa-Bereichs befindet.




Durch einen Glasboden tut sich ein Blick auf die Überreste einer gotischen Kirche auf: Geschichte auf Schritt und Tritt, sogar auf dem Weg zur Massage! Bei der aufwändigen Restaurierung des Klosters wurde einer der reichsten archäologischen Funde Prags entdeckt. Die Funde, die sich dem Touristen darbieten, sind zwar ebenso reich, aber nicht zu übersehen.
In Prag kann man sich nicht verlaufen und kommt garantiert auf kürzestem Weg zu allen Sehenswürdigkeiten. Man braucht nur einem der bunten Schirme zu folgen, die die Stadtführer aus aller Herren Länder hochhalten, um ihre Herde zusammenzuhalten. Am späten Nachmittag landet man dann jedoch unausweichlich auf einem der vielen Busparkplätze. Stilvoll, aber nicht ganz billig ist es, einen Oldtimer zu mieten und sich für umgerechnet 36 Euro das mühsame Gehen auf dem Kopfsteinpflaster und für weitere 11 Euro den Aufstieg zum Hradschin zu ersparen. Wer den Aufstieg zu Fuß auf Pumps gemacht hat, den sieht man im Burghof sitzen und verstohlen die Schuhe abstreifen. Aber man sieht auch andere Merkwürdigkeiten hier oben auf der „böhmischen Akropolis“, z.B. Hobbyfotografen, die nicht davor zurückschrecken, ihre Herzallerliebste im St.-Veits-Dom vor dem Gekreuzigten abzulichten, oder die Wachen, die im Gleichschritt über die Burganlage marschieren.




Sie sind zu Stoßzeiten die einzigen, die auf dem Burggelände zügig ausschreiten können. Doch auch im Schneckentempo lohnt sich der Weg zur größten Burganlage der Welt. Ein Blick in den Vladislav-Saal, in dem die böhmischen Könige gewählt wurden und die Staatspräsidenten seit 1918 vereidigt werden, gehört ebenso zu den Höhepunkten des Burgbesuchs wie ein Blick in die Tiefe von der Stelle aus, an der 1618 radikale Protestanten zwei Statthalter von der Burg hinabwarfen. Das berühmte Goldene Gässchen, in dem die Ärmsten der Armen lebten, ist zwar zu einer Souvenirmeile verkommen, bietet jedoch, wenn man vom Kitsch abstrahiert, Einblicke in eine Lebensform, in der jeder Quadratzentimeter genutzt wurde. Dass auch Franz Kafka hier lebte, mögen findige Interpreten als Ursache für manche klaustrophobischen Züge in seinem Werk heranziehen.
Probleme mit drangvoller Enge sollten jedoch auch Touristen nicht haben, wenn sie zur „Rush hour“, die vom Vormittag bis in den späten Abend anhält, die Karlsbrücke überqueren. Das Defilee vorbei an den Figuren, deren „Prominenz“ daran zu erkennen ist, wie viele Gruppen vor ihnen stehen, wird von Straßenmusikanten untermalt und von Kunst- und Kitschständen flankiert.




Der Heilige Nepomuk muss es sich gefallen lassen, dass abergläubische Besucher sein Denkmal berühren, in der Hoffnung auf künftiges Glück. Der Heilige Franziskus spendet Trost mit dem Psalm: „Seinen Engeln hat er befohlen, dich zu beschützen auf allen deinen Wegen.“ Nun gut, mit diesem Schutzschild schieben wir uns ein paar hundert Meter weiter zur astronomischen Uhr. Am Altstädter Rathaus versammeln sich zu jeder vollen Stunde so viele Menschen, wie der Platz fasst, um beim Glo­ckenschlag die Fotoapparate hochzureißen und zuzuschauen, wie der Tod, dargestellt als Skelett, an einem Seil zieht und das Stundenglas umdreht. Daraufhin öffnen sich zwei Fenster, und die 12 Apostel unter Leitung von Petrus ziehen vorüber, bis schlussendlich der Hahn kräht – und sich die Menge verläuft. Wohin?
Entweder in Prags feinste Einkaufsstraße, die Parizska, mit ihren Edelboutiquen und Jugendstilfassaden, ins jüdische Viertel mit seinen Synagogen, dem alten Friedhof und dem St.-Agnes-Kloster oder zur Moldau, wo Schiffe verschiedensten Ausmaßes Ausflüge auf dem Wasser anbieten. Auf den kleineren herrscht eine fast private Atmosphäre. Eine Stunde in frischer Brise mit Blick auf die Türme der Stadt kostet pro Person ca. 7,50 Euro. Noch günstiger ist frische Luft mit Ausblick bei einem Ausflug auf den Hausberg Prags, den Petrin. Eine Standseilbahn bringt Ausflügler für ganze 70 Cent auf den Gipfel des Berges, auf dem der sogenannte „Prager Eiffelturm“ steht.




1891, zwei Jahre nach Errichtung des Originals, baute sich Prag eine fünffach verkleinerte Kopie, deren oberste Galerie mit ihren 384 m ü.M. exakt so hoch liegt wie der Pariser Eiffelturm. Wer auf die Galerie will, muss 299 Stufen erklimmen und wird mit einem grandiosen Blick belohnt. Den Berg hinab geht man beschwingt durch Streuobstwiesen entlang der Hungermauer, die Karl IV. als Stadtbefestigung errichten ließ, um den hungerleidenden Pragern Gelegenheit zu geben, ihr Brot zu verdienen. Heute muss niemand in Prag Hunger leiden, ganz im Gegenteil: Die Küche mit ihren Knödeln und Braten, den kräftigen Soßen und den sündigen Süßspeisen ist eine ernsthafte Attacke auf die Taille, zumal auch das Bier in Strömen fließt. Aber wie ein tschechisches Sprichwort sagt: Man trinkt hier nicht zum Essen, man isst zum Trinken. Prag ist eine Gute-Laune-Stadt!





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Geschmackssache

Seit 1499 wird im U Fleku bitter-süßes, wirklich leckeres Dunkelbier ausgeschenkt, aber erst seit knapp 20 Jahren spült das Bier die Kassen voll. Das U Fleku mit seinen 1200 Plätzen ist an manchen Tagen bis auf den letzten Platz besetzt. Und man möchte wetten, dass die Servicekräfte am Umsatz beteiligt sind, so rasch und wendig, wie sie servieren, leere Biergläser entdecken und die Gästeströme verwalten. Wer den Willkommensschnaps nicht ausschlagen mag, findet ihn natürlich auf der Rechnung wieder. Und wer gegen Volksmusik vom Schlag „Rosamunde“ allergisch ist, sollte einen Bogen um das putzig aufgebrezelte Haus machen.
U Fleku, Kremencova 11, von 9 bis 23 Uhr durchgängig geöffnet

Kulinarische Grenzfälle
Knödel, Ente und saures Kraut muss man zumindest einmal gegessen haben. Auch wenn der „Zuschnitt“ der Ente überraschend ist und die Knödelscheiben wie eingeweichte Wattepads schmecken, hilft ein halber Liter Bier dabei, das Ganze sauber wegzuspülen. Im U zlateho helmu oder im U mecenase ein paar Schritte weiter sitzt man bei diesem Experiment nett unter den Arkaden und schaut aufs muntere Treiben.
U zlateho helmu, Maltezske namesti 4
U mecenase, Maltezske namesti 10



Nützliche Informationen
Anreise
Mit welchem Verkehrsmittel man in Prag landet, entscheidet möglicherweise über den ersten Eindruck. Der Transfer mit dem Taxi vom Flughafen zum Hotel kann unter Umständen Ärger verursachen, denn einige Taxifahrer haben es bei der Streckenführung faustdick hinter den Ohren und nach der Fahrt im Portemonnaie. Ein faires Taxi erkennt man an dem AAA, telefonisch erreicht man es unter 014014. Am bequemsten jedoch ist es, sich von einem Hotel-Shuttle für etwa 60 Euro pro Fahrt am Airport abholen zu lassen. Die Anreise mit dem eigenen Auto über die A 6, für die ein „Pickerl“ erforderlich ist (8 Euro für eine Woche), sollte man nur ins Auge fassen, wenn man sicher ist, dass es eine bewachte Garage im Hotel oder zumindest in fußläufiger Entfernung gibt und dass man dort einen der begehrten Plätze bekommt.


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Geldumtausch
Es gibt überall in der Stadt Bankautomaten, und die renommierten Hotels tauschen ebenfalls zu fairen Kursen Euro in tschechische Kronen um (Wechselkurs z.Z. etwa: 1:28). Gewarnt sei vor den „wilden“ Devisenhändlern, die die Touris­ten auf der Straße ansprechen. Aber wer macht schon Bankgeschäfte im Vorübergehen?

Mitbringsel
Das Souvenir Nummer 1 ist das Prager Jesulein, eine Figur, die im 16. Jahrhundert von einem Mönch geformt wurde, nachdem ihm im Traum Jesus erschienen war. Dieses Figürchen vollbrachte der Sage nach ein Wunder nach dem anderen, heilte Kranke, bewahrte die Stadt vor der Pest und half Liebenden in allen Lebenslagen. Zum Dank bekam es immer neue Kleider. Sogar Maria Theresia soll eines genäht haben. Das Prager Jesulein begegnet einem heute an jeder Ecke, aus Glas, aus Porzellan und in allen Größen und Farben.
Wer Gefallen an Granat- und Bernsteinschmuck hat, findet eine große Auswahl, und Liebhaber böhmischer Glaskunst dürften ebenso auf ihre Kosten kommen wie Marionetten-Fans. Wem all das nicht gefällt, der kann sich für die Heimkehr günstig mit Bier und Zigaretten eindecken.


Empfehlenswerte AdressenPrags feinstes Quartier
In Prags feinstem Quartier, dem Diplomatenviertel mit seinen schicken Bistros und Restaurants, optimal zur Karlsbrücke und zum Hradschin gelegen und dennoch abgeschieden hinter den dicken Klostermauern, lässt es sich hier wunderbar entspannen.
Mandarin Oriental, Prague, Nebovidská 459/1, 11800 Prague 1 - Malá Strana, Tel.: +420 233 088 888, Fax: +420 233 088 668,
E-Mail: moprg-info@mohg.com
Internet: www.mandarinoriental.com/prague

Leichte Kost mit Aussicht
Die „Prague Post“ hält das Restaurant Hergetova Cihelna in „Klein Venedig“ unterhalb der Karlsbrücke für eines der angesagtesten Restaurants. Und in der Tat bekommt man dort erfrischend leichte Speisen in angenehm untouristischer Atmosphäre.
Hergetova Cihelna, Cihelna 2b, Tel.: +420 296 826 103,
E-Mail: kontakt@cihelna.com

Das muss sein, auch wenn es weh tut!
Wohnen muss man dort wirklich nicht, essen kann man anderswo besser. Aber eine Legende ist und bleibt das 2-Sterne-Hotel „Hotel Evropa“ am Wenzelsplatz. Das Jugendstilcafé bietet dünnen Kaffee in dicken Tassen zu saftigen Preisen an. Aber die um­gerechnet 3,20 Euro sollten es einem wert sein zu wissen, was gemeint ist, wenn vom Touristennepp die Rede ist.
Hotel Evropa, Vaclavske namesti 25



Bücher zur Vorbereitung und als Begleiter
Wussten Sie...
... dass die berühmte Prager Karlsbrücke u.a. aus Eiern gebaut wurde? Sicherlich ebenso wenig wie man die spannendste Straßenbahnlinie kennt, die schönsten Kaffeehäuser auf Anhieb findet und abends in wirklich authentischen Kneipen landet. Der Prag-Führer des Michael Müller Verlages ist für individuelle Entde­ckungsreisen kreuz und quer durch Prag unerlässlich. Wer sich an seine Empfehlungen hält, ist sicher vor den ärgsten Touristenfallen, er lernt eine Stadt kennen und lieben, die mehr Besucher als Venedig hat und dennoch hier und da lauschige Plätzchen besitzt.
Michael Bussmann/ Gabriele Tröger: Prag, 224 S., Michael Müller Verlag, 12,90 Euro


Reiseführer für Individualisten
Keine Frage: Moleskine Notebooks sind Kult. Aber sind die jüngst erschienenen Moleskine City Notebooks, die mittlerweile von vielen Städten vorliegen, auch praktisch? Wir testeten die Prag-Ausgabe. Eine Übersichtskarte sowie 12 Detailkarten und ein Straßenverzeichnis erübrigen weiteres Kartenmaterial. Die transparenten Klebezettel ermöglichen das Einzeichnen der individuellen Route. Was einem am Wegesrand positiv oder negativ auffällt, wo man gegessen hat, wo man guten Kaffee und günstiges Bier bekommt, all das kann man in die Karte mit Symbolen einzeichnen und im persönlichen Archiv ausführlich darstellen. 76 leere Seiten warten darauf, mit Erlebnissen, Fragen und Ideen gefüllt zu werden. Alle Informationen und Adressen, die man sich bereits vor der Reise geholt hat, können schon vor Reiseantritt rasch und übersichtlich in den Rubriken untergebracht werden. Diese Funktionen in handlichem Format bietet kein anderer Guide. Wohin man will, muss man allerdings vorab aus konventionellen Führern zusammenstellen. Aber wenn man dann vor Ort ist, braucht man sich nicht mehr als Tourist zu fühlen. Moleskines sehen absolut „untouristisch“ aus!
Preis: 15,95 Euro



Text: Dr. Beate Jürgens,
Fotos: Dr. Hans-Joachim Jürgens,
Mandarin Oriental

 

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