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Burma Myanmar: von Mandalay nach Bagan

Autor: Text: Reinhold Wild, Fotos: Reinhold Wild, TRAVELLERstyle international - Asien
Myanmar, wie sich Burma seit Juni 1989 nennt, blickt auf eine zweitausendjährige bewegte Geschichte zurück. Im 11. Jahrhundert erblühte Bagan, oft auch Pagan ­geschrieben, zur größten Metropole der damaligen buddhistischen Welt. Bis zum Ende des 13. Jahrhunderts wurde das Großreich ­von ­Ba­­gan regiert, danach zerfiel es in Kleinstaaten, unter denen sich das Königreich von Inwa (auch AVA genannt) als neues Machtzentrum der Burmesen entwickelte. Im Jahr 1857 gründete König Mingon dann unweit von Inwa die letzte Königsstadt Mandalay kurz bevor g­anz Myanmar zu einem Teil von Britisch-Indien wurde und erst am 4. Januar 1948 die Unabhängigkeit wieder erlangte. Um genau 4:20 Uhr morgens – den genauen Zeitpunkt hatten burmesische Astrologen errechnet.
Etwa die Hälfte der Landfläche Myanmars besteht noch aus Wäldern, die sich hauptsächlich in den Bergen befinden und vor allem während der Kolonialzeit, aber auch noch bis in die letzten Jahre hinein, wegen des begehrten Hartholzes, das dort zusammen mit Teak-Bäumen wächst, dezimiert wurden.
Burma wollte lange Zeit von der Welt nichts wissen und die Welt wusste relativ wenig über Burma. Dies war bis in die neunziger Jahre auf die restriktive Visapolitik zurückzuführen, die den Aufenthalt zunächst auf 48 Stunden, später auf eine Woche begrenzte.



Mit der brutalen Unterdrückung von Massenprotesten im ganzen Land stand Burma 1988 plötzlich im Rampenlicht der Weltöffentlichkeit. Die Galionsfigur der Demokratiebewegung, Aung Sau-Daw Suu Kyi, wurde für ihren gewaltlosen Protest mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.
Myanmar gilt unter Fernreisenden immer noch als eine Art populärer „Geheimtipp“, die meisten Besucher konzentrieren sich auf die Hauptstadt Rangoon, dort vor allem mit der monumentalen Shwedagon-Pagode, immer mehr Touristen kommen aber auch nach Mandalay und nach Bagan.
Als ich in Burma war, hatte ich nach dem Flug von Bangkok nach Rangoon nach zwei Tagen in Rangoon einen Weiterflug nach Bagan und von dort ein paar Tage später nach Mandalay gebucht. Von dort sollte es zurück nach Rangoon gehen.
Aus technischen Gründen unterblieb der Zwischenstopp in Bagan, so dass nach Rangoon meine erste Station Mandalay war. Von dort blieb mir nach ein paar Tagen nichts anderes übrig, als in einem Überlandbus während der Nacht zwischen Bäuerinnen und Bauern, die Hühner, Enten, Früchte und Gemüse zu einem der auf der Route gelegenen Märkte bringen wollten, die zwölfstündige Strapaze nach Bagan auf mich zu nehmen.




Alternativ wäre die Reise per Schiff über den Ayeyarwady-Fluss möglich gewesen, die aber zu meiner Reisezeit nur einmal im Monat angeboten wurde.
Bereits in Mandalay befindet man sich im Zentrum der burmesischen Kultur. Hier reihen sich an einer Biegung des dort sehr breiten Ayeyarwady-Flusses nur wenige Kilometer voneinander entfernt die alten Königsstätten Sagaing, Inwa, Amarapoura und Mandalay aneinander.
Diese von fruchtbaren Reisfeldern und zahllosen Pagoden geprägte Region war seit dem Fall von Bagan das Zentrum, in dem außer dem Königshaus auch die gelehrtesten Mönche und die begabtesten Kunsthandwerker des Landes zu Hause waren. Von seiner Gründung an war Mandalay auch der bedeutendste Handelsplatz Burmas. Seit der schrittweisen wirtschaftlichen Liberalisierung des Landes entwickelt sich die ehemalige Königsstadt mehr und mehr auch zu einem boomenden Wirtschaftszentrum. Der einst großartige Palast von Mandalay wurde im 2. Weltkrieg zerstört, doch bis heute ziert eine gut erhaltene Mauer samt Wassergraben die alte Palaststadt und die erhalten gebliebenen Bauteile und Ruinen.




Als Zentrum buddhistischer Gelehrsamkeit sind die rot-braunen Mönchskutten auch heutzutage im Straßenbild von Mandalay nicht zu übersehen. Ihre buddhistischen Bildungsstätten genießen über das Land hinaus hohen Ruf.
Der im Norden der Stadt gelegene Mandalay-Berg, von dem sich auch der heutige Stadtname ableitet und auf dem einst Buddha verweilt haben soll, gilt seit alter Zeit als heilig und ist mit vielen Pagoden bebaut. Dort einigten sich 1871 2400 Mönche auf eine einheitliche Fassung des Tipitaka, der kanonischen Schriften der Theravada-Buddhisten, deren Wortlaut in 729 kleinen Pagoden auf Marmortafeln festgehalten wurde. Ihre Schrift auf den in Stein gemeißelten Stelen ist ursprünglich vergoldet gewesen.

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Diese auf so viele Pagoden verteilte Schrift wird auch heute noch „das größte Buch der Welt“ genannt.
Nach den Besichtigungen in und um Mandalay, seinem geschäftigen Treiben und der anstrengenden Fahrt nach Bagan erscheinen jedem die Tempelanlagen von Bagan, auch das „Wunder am Ayeyarwady“ genannt, als idealer Platz für spirituelle Einkehr und religiöse Verehrung.
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Eine raue Bergwelt im Norden und einsame Sandstrände an der Westküste warten auf Entdecker. Yangon und Mandalay bieten pulsierendes Großstadtleben. Im ganzen Land stößt man auf Tempel, Pagoden, Paläste – Zeugnisse der großen Vergangenheit Birmas.


Im Jahr 849 wurde Bagan erstmals mit einem Stadtwall befestigt und sein Aufstieg zur seiner Zeit größten buddhistischen Metropole der Welt festigte sich 1057 mit der Einnahme der Hauptstadt der Mon durch König Anaw-Rahta.






Überlieferungen zufolge begehrte der Begründer des ersten burmesischen Reiches nur deshalb die buddhistischen Schriften des Mon-Königreiches, um die untereinander uneinigen Bewohner seiner Hauptstadt durch den gemeinsamen Glauben zu einigen. Die gesamte Elite Thatons, insgesamt der Überlieferung nach 30.000 Mon, wurden nach Bagan deportiert, wo ihre Anwesenheit die frühe Kultur des Reiches prägte und ihre vielfältigen handwerklichen Künste zum Aufbau der mit eindrucksvollsten Tempelanlagen der Welt eingesetzt wurden.
Die Unesco hat Bagan zum Weltkulturerbe erklärt und dort nicht weniger als 2.229 Ruinen offiziell registriert und unter Schutz gestellt. Manche Forscher schätzen die einstige Gesamtzahl der Pagoden, Klöster und anderen Andachtsgebäude sogar auf 12.000 Bauten.




Die zum Bau verwendeten unzähligen Backsteine und Ziegel wurden zum Teil Hunderte von Kilometern entfernt gebrannt und über den Ayeyarwady-Fluss in die Hauptstadt gebracht. Dank der steppenartigen Landschaft im Regenschatten des Rakhine-Gebirges sind die Bauten bis heute erstaunlich gut erhalten geblieben.
Anders als die Städte im Süden des Landes lag Bagan in sicherer Entfernung von etwaigen Invasoren. Das Schicksal Bagans entschied sich schließlich auch weit entfernt von der Hauptstadt und zwar an den nördlichen Bergen. Im Jahr 1287 floh der König in den Süden des Landes, wo er von seinem Sohn vergiftet wurde. Die Macht des durch den lang anhaltenden Bauboom wirtschaftlich erschöpften Großreichs war von da an für immer gebrochen.




Für den Touristen ist es sehr eindrucksvoll, durch die Tempelanlage von Bagan zu wandern, einzelne Tempel zu erklimmen, von dort den Blick auf den Fluss und andere Tempel und Pagoden zu genießen oder Sonnenauf- oder Sonnenuntergang mit Blick auf die eindrucksvollen Bauten zu erleben. Die unterschiedlichsten Baustile zeugen von der sich über Jahrhunderte hinziehenden Bautätigkeit und dem großen handwerklichen Geschick der Erbauer. Dank der robusten Bauweise konnten viele der Kolossalbauten sogar das schwere Erdbeben im Jahre 1975 mit dem damaligen Epizentrum bei Bagan erstaunlich gut überstehen.
Ich wählte bei meiner Reise den bequemsten Weg zur Erkundung des weiträumigen Areals von Bagan. Ich mietete mir eine Pferdekutsche mit sachkundigem Führer, ließ die Kutsche an den einzelnen „Stationen“ warten und auch Getränke und etwas zum Knabbern vorrätig halten. Ein paar Tage tauchte ich in die Ausdruckskraft der buddhistischen Bauten und Kultur ein, dazwischen ergaben sich Begegnungen mit den äußerst gastfreundlichen Menschen.


Insbesondere erinnere ich mich an eine Filmvorführung eines aus westlicher Sicht vielleicht kitschigen Liebesfilms aus dem so genannten „Bollywood“ in Indien in burmesischer Vertonung, die mit einem uralten mit Dampf betriebenem Projektor unter freiem Himmel nach Einbruch der Dunkelheit gegeben wurde und zu deren Betrachten sich schätzungsweise 20.000 Menschen auf den Boden gehockt hatten und die Emotionen auf der sorgfältig aufgespannten Großleinwand mit Entzücken und Jubelschreien, in traurigeren Szenen auch mit lautem Schluchzen begleiteten. Dies war neben den Tempelanlagen mit das bleibendste Erlebnis meiner unvergesslichen Burmareise. RWn




INFORMATIONEN
Birma
Einreise + Visa
Mindestens sechs Monate muss der Reisepass noch gültig sein, damit die birmesische Botschaft das obligatorische Visum ausstellt. Die Einreise erfolgt via die Hauptstadt Yangoon.

Reisezeit
November bis Februar sind die trockensten und kühlsten Monate im tropischen Myanmar. Heftige Regenfälle mit bis zu 40°C zwischen Mai und September, tro-ckene Hitze um 35°C von März bis Mai.

Gesundheit
Schlechte gesundheitliche Versorgung: Eine gut ausgestattete Reiseapotheke und eine Reiseversicherung inklusive Notfall-Rücktransport sind wichtig. In den Touristenzentren Yangoon, Bagan und Mandalay ist die Malaria kaum mehr anzutreffen.

Sicherheit
Die Regionen um Yangoon, Mandalay, Bagan, Taunggyi und den Inle-See gelten als sicher. Vom Besuch des Goldenen Dreiecks nordöstlich von Mandalay und der thailändischen Grenze ist abzuraten. Politische Veranstaltungen sollten in Birma unbedingt gemieden werden.




Geld + Preisniveau
Währung
Kyat

Umtausch
Ausländische Währungen werden gegen Foreign Exchange Certificates (FEC) getauscht. Innerhalb Birmas können die FECs in Kyat getauscht werden.



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In den Banken Yangoons und Mandalays, sonst Bargeld (US-Dollar).

Kreditkarten
Teils in internationalen Hotels und bei Airlines, keine Mastercard.

Gastfreundschaft
Die meisten Menschen im Land sind extrem freundlich gegenüber Ausländern und kennen keine Scheu vor Kameras. Das ganze Land besteht aus einer sehr gut funktionierenden traditionellen Solidargemeinschaft. Einflüsse unserer westlichen Kultur sind noch gering.

Reiseführer
Individualreisende
Lonely Planet Guide «Myanmar»
Lonely Planet Publications, ISBN 0864427034

Adressen

Botschaft der Union Myanmar
Zimmerstraße 56, 10117 Berlin
Tel. 030-20615710, Fax 030-20649757
E-Mail emb.my.berlin@t-online.de


Fremdenverkehrsamt Birma
c/o Indochina Services
Enzianstr. 4a, 82319 Starnberg
Tel. 08151-770250, Fax 08151-770252
E-Mail: info@indochinaservices.com
Internet: www.indochinaservices.come

Text: Reinhold Wild
Bilder: Reinhold Wild
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